Senara Akajo Der Schäler der Sklavin

Der Schäler der Sklavin

(Mit einem Augenzwinkern danke ich Friedrich Schiller, der 1797 mit seiner Ballade "Der Ring des Polykrates" freundlicherweise die Basis für meine hochachtungsvolle Abwandlung seines Werkes lieferte.)


Sie hielt das Handy in der Hand,

sie schaute, ganz von seinem Bild gebannt

auf den kleinen Bildschirm hin.

„Ich habe meinen Herrn gefunden!“ – 

das hört die Freundin schon seit Stunden.

„Gestehe, dass ich glücklich bin!“


„Von Gottes Licht Dein Weg erhellt!

Der vormals Dir ganz gleich gestellt,

zwingt Dich nun unter seiner Gerte Macht.

Doch noch kann sich die Erste rächen,

Dich kann mein Mund nicht glücklich sprechen,

so lang ihr scharfes Auge wacht.“ – 


Und eh die Freundin noch geendet,

da zeiget sich, als SMS gesendet,

die Botschaft der erfreuten Sklavin dar:

„Kleide, Subbie, Dich in Samt und Taft,

und mit des Wachses heißer Kraft

entferne jedes kleine Haar!


Der Ersten Knute bin ich nun entronnen,

die hat nur noch rumgesponnen!

Dein glücklicher Herr  Josef-Franz“ – 

Und sendet zu der Sklavin Freude,

dank der modernen Technik heute,

ein Bild von sich beim Freudentanz.


Die Freundin tritt zurück mit Grauen.

„Doch warn’ ich Dich, dem Glück zu trauen“,

versetzt sie mit besorgtem Blick,

„Bedenk’ des Mannes Wankelmut,

das alles läuft grad viel zu gut,

ich kann nicht glauben dieses Glück.“


Und eh’ sie noch das Wort gesprochen,

hat sie der Jubel unterbrochen,

der an ihrer Seite nun erklingt.

Ein zweites Bild zeigt jetzt das Handy an,

auf dem man Piercings sehen kann.

„Endlich werde ich beringt!“


Die gute Freundin ist erstaunet:

„Dein Glück ist heute gut gelaunet,

doch fürchte seinen Unbestand.

Du kennst der Männer Lustgebaren,

birgt für die Seele viele der Gefahren;

zu dünn ist seiner Liebe Band.“


Und eh’ ihr noch das Wort entfallen,

hört man den Ton im Raume hallen

der stets begleitet seine Worte.

„Sie gibt nun Frieden, ich habe Zeit,

bist für ein Treffen Du bereit?

So komm zu diesem meinem Orte.“


Das hört die Freundin mit Entsetzen.

„Fürwahr, ich muss Dich glücklich schätzen,

doch“, spricht sie, „ich zittre für Dein Heil;

Mir grauet vor der Andern Neide:

Des Lebens ungemischte Freude

Ward keinem Irdischen zuteil.


Auch mir ist alles wohl geraten;

Bei allen meinen Lebenstaten

Begleitet mich des Himmels Huld;

Doch hab ich einen Ehemann,

auf den man auch verzichten kann,

dem Glück bezahl ich meine Schuld.


Drum, willst Du Dich vor Leid bewahren,

so fliehe zu dem Unsichtbaren,

dass er zum Glück den Schmerz verleiht.

Noch Keinen sah ich fröhlich enden,

auf den mit immer vollen Händen

der Herrgott seine Gaben streut.


Und wenn Dein Gott nur Gutes hat,

so achte Deiner Freundin Rat

und mach Dir selbst das Leben schwer,

und was von allen Deinen Schätzen

Dein Herz am höchsten mag ergötzen,

das gib von ganz alleine her!“


Und jene spricht, von Furcht beweget:

„Von allem, was mein Haushalt heget,

bringt DIESES Teil die höchste Wonne.

DIES wird nun meinem Gott geweiht,

ob er mein Glück mir dann verzeiht.“

Und wirft den (Tupper-)Schäler in die Tonne.


Und bei des Abends rotem Lichte,

da tritt mit anbetendem Gesichte

der Gatte vor sein Weibe hin:

„Frau, weil ich Dich gar sehre liebe,

kann geben ich Dir keine Hiebe,

doch den Müll bring ich zur Tonne hin.“ 


Jetzt ohne Tüte in der Hand,

kommt er zu ihr zurück gerannt

und ruft mit hocherstauntem Blick:

„Sieh, was ich gefunden habe!

Das war doch Deine Weihnachtsgabe!

O, ohne Grenzen ist Dein Glück!“


Hier wendet die Freundin sich mit Grausen:

„so kann ich hier nicht ferner hausen,

befreudet können wir nicht weiter sein.

Ein’ Jede will leiden Dich nun sehn,

deswegen werd ich schleunigst gehen.“

Und sprach’s und packte ganz schnell ein.

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